„The Beast in Me“ – Zwischen Trauma, Nachbarschaftsdrama und düsteren Verdachtsmomenten
- Sascha Brandt
- 18. Dez. 2025
- 2 Min. Lesezeit

In The Beast in Me begleitet das Publikum die Autorin Aggie Wiggs (Claire Danes), deren Leben seit einiger Zeit nicht mehr zur Ruhe kommt. Der Verlust ihres Sohnes, der bei einem Unfall starb, verfolgt sie unaufhörlich – besonders, weil der Verantwortliche Teddy Fenig (Freddy Hechinger) ohne Strafe davonkam. Ihre Ehe mit Shelley (Natalie Morales) ist zerbrochen, das gemeinsame Haus renovierungsbedürftig, und ihre Schreibblockade sorgt dafür, dass die Finanzen bedrohlich knapp werden. Statt neuen Sorgen könnte Aggie eigentlich Stabilität gebrauchen – doch das Gegenteil tritt ein, als der Unternehmer Nile Jarvis (Matthew Rhys) und seine Frau Nina (Brittany Snow) ins Nachbarhaus ziehen. Über Nile kursiert seit Jahren das Gerücht, er habe seine erste Frau ermordet. Eigentlich will Aggie Abstand halten. Doch als potenzielles Thema für ihr nächstes Buch ist der mysteriöse Mann verlockend.
Ein Verdacht als dramaturgischer Motor
Die Frage, ob Nile Jarvis ein Mörder ist oder nicht, zieht sich als zentrales Spannungsmoment durch die Serie. Seine erste Frau verschwand spurlos, ein Abschiedsbrief deutete auf Selbstmord hin – aber entspricht das der Wahrheit? Je näher Aggie dem Verdächtigen kommt, desto größer wird das Unbehagen. Nile wirkt unheimlich, unberechenbar, und eine frühe gewaltsame Szene lässt das Publikum an seiner Fassade zweifeln. Jede Begegnung mit ihm wird so zur potenziellen Gefahr.
Viele Themen, wenig Konsequenz
Aus der Konstellation zwischen traumatisierter Autorin und unheimlichem Nachbarn ließe sich eine dichte, psychologische Spannungsgeschichte formen. Doch Serienschöpfer Gabe Rotter verwebt zahlreiche zusätzliche Themen und Nebenschauplätze – einige davon sinnvoll, andere überflüssig. Aggies schmerzhafte Vergangenheit wird zwar aufgegriffen, doch nicht konsequent weitergeführt. Ein politischer Handlungsstrang wirkt angeheftet und trägt nichts zur eigentlichen Erzählung bei. Insgesamt entsteht der Eindruck einer Überfrachtung, die The Beast in Me unnötig aufbläht. Acht Episoden wären dafür schlicht nicht nötig gewesen – besonders, da das Finale enttäuschend unspektakulär ausfällt.

Starke Momente – aber kein starker Gesamtbogen
Trotz dramaturgischer Schwächen punktet die Serie mit intensiven Szenen, die Aggies innere Zerrissenheit spürbar machen. Auch schauspielerisch bietet The Beast in Me solide Leistungen: Claire Danes spielt konstant am Rand der Hysterie, während Matthew Rhys zwischen Charme und Wahnsinn kippt. Eindrücklich, ja – aber nicht genug, um die inhaltlichen Leerstellen zu füllen.
Fazit: The Beast in Me ist eine Serie voller Potenzial, die gleichzeitig zu viel und zu wenig wagt. Ein düsterer Stoff mit starken Darstellern – und ein Narrativ, das an seinen eigenen Ambitionen scheitert.



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