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Ein Vier-Stunden-Dreh für 3,5 Minuten TV-Beitrag


Als ich eher zufällig im Erotic Art Museum (EAM) in der Bernhard-Nocht-Straße vorbeischaue, ist gerade ein NDR-Team für die beliebte Vorabendsendung D.A.S. "voll auf Sendung". D.h. Kameramann, Tonfrau und Redakteurin Karin Abenhausen zeichnen u.a. Gespräche mit einigen St. Pauli-Insidern wie der Mittenmang-Kiosk-Betreiberin Mareike, Künstler Holger Musiol und Layout-Gestalterin Lisa W. auf, während diese sich an erotischen Kollagen in memoriam Fiete Frahm versuchen. Einige von Frahms legendär-frivolen Türkollagen und comicähnlichen Bildwerken hängen gleich im Raum nebenan. Und auch das Ergebnis der munteren, insgesamt sechsköpfigen Bastelgruppe, kann sich schon nach 30 Minuten sehen lassen. Entstanden ist eine Art Plakat, das man mit "St. Pauli wie es leibt und lebt" betiteln könnte und vielleicht ließe sich das gute Stück im Rahmen von "400 Jahre Reeperbahn" sogar für einen guten Zweck versteigern.

 

Zwischen den unzähligen Kuriositäten und Erinnerungsstücken bahnt sich das TV-Team buchstäblich seinen Weg. Weiter geht es mit einigen Briefen an Deutschlands einst bekanntester Prostituierten "Domenica" Niehoff, deren offenherziges Gemälde im EAM als ein Highlight an der Wand thront. Spontan werde ich als "Lesemodel" engagiert. Diese Briefe sind in der Tat in vielerlei Hinsicht bemerkenswert und man entdeckt jedes Mal neue Passagen. Da ist einerseits von Anzüglichkeiten und sexuellen Phantasien die Rede, die sich die Briefeschreiber von ihr bei einem Treffen erhoffen. Aber auch ein gewisser Respekt vor ihrer Person und Profession wird stellenweise, wie zum Beispiel in Anreden wie "Verehrte gnädige Frau", deutlich.

Ich persönlich liebe auch die Schwarz-Weiß-Fotos von Günter Zint, dem fotographischen Gedächtnis der Reeperbahn schlichthin. Er hatte sie alle vor der Kamera: von den Beatles, über Jimi Hendrix bis hin zu Tomi Ungerer.

 

Im Hinterzimmer hat bereits Kulturwissenschaftlerin und Sexualpädagogin Frau Dr. Nadine Beck mit ihrem Vortrag über das hier befindliche "Vibratorium" begonnen. Die Wandinstallationen von verschiedenen historischen und aktuellen Vibratormodellen sind aber auch einen zweiten Blick wert. Gekonnt philosophiert sie vor laufender Kamera und im Beisein von ihrem Publikum über die Anfänge und Entwicklungsgeschichte von (elektrischen) Sexspielzeugen. Seinerzeit ab 1883 natürlich alles unter dem Deckmäntelchen von Gesundheits- und Hygieneaspekten und teils abenteuerlichen Elektrokabeln.

 

In diversen Statements zu seiner vielfältigen Tätigkeit und der nimmermüden Betreibermotivation, ist freilich auch Museumsleiter und "Kunst und Kante"- Herausgeber Ekkehardt Opitz (auch bekannt als "The Reverend") voll in seinem Element. Nach einer kleinen Mittagspause werden schließlich noch ein Aufsteller und ein Bild bis zum Hans-Albers-Platz transportiert. Warum und wieso? Die Auflösung erfolgt bei Sendetermin.

 

Man darf also gespannt sein, wie die gedrehten Szenen zusammengeschnitten werden. Das Drehteam war jedenfalls guter Dinge, so viele aussagekräftige Takes schnell im Kasten zu haben. SENDETERMIN ist übrigens der 31.01.2026 - wer mehr wissen will, also mal einschalten. 


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