Prange – Man ist ja Nachbar: Eine warmherzige Weihnachtskomödie aus Barmbek
- Sascha Brandt
- 26. Dez. 2025
- 2 Min. Lesezeit

„Man ist ja Nachbar“ – ein Satz, der in Hamburg-Barmbek zur Haltung wird. Der neue ARD-Fernsehfilm „Prange – Man ist ja Nachbar“ erzählt warmherzig, lakonisch und wunderbar norddeutsch von Einsamkeit, skurrilen Hausgemeinschaften und einer zarten Liebesgeschichte, die sich zwischen Paketscheinen, Vinyl-Tapeten und einem Kugelgrill entspinnt. Ab heute um 20.15 Uhr im Ersten – und bereits in der ARD Mediathek.
Ein Haus voller Typen – und einer mittendrin
Im Mittelpunkt steht Ralf Prange, gespielt von Bjarne Mädel. Ein unauffälliger, leicht reizbarer, aber zutiefst gutherziger Nachbar, der seine kleine Wohnung längst in eine inoffizielle Paketstation verwandelt hat. Immer zuhause, immer bereit, immer ein wenig verunsichert – ein Mann, der gerne knapp antwortet, aber ins Reden gerät, wenn’s persönlich wird.
An seiner Seite – beziehungsweise ständig davor – steht Horst Rohde (Olli Dittrich): der neugierige Türspalt-Spion, dauerhaft anwesend, schmallippig fies und mit klarer Mission: Prange zu nerven. Seit 40 Jahren.
Diese beiden Figuren treiben die Hausflur-Dynamik auf die Spitze – und spiegeln dabei ein Milieu, das jeder kennt: die gestresste Mutter, das überdrehte Kind, das Hipster-Paar im dritten Stock. Kleine Alltagsmomente, die im Film zur Komödie werden, weil sie so echt sind.

Wenn die Liebe an der Tür klingelt
Der Alltag plätschert dahin – bis Dörte Krampitz auftaucht. Die neue Paketzustellerin, gespielt von Katharina Marie Schubert, überkorrekt, schrill, schräg und dabei unwiderstehlich charmant. Zwischen ihr und Prange knistert es sofort – irgendwo zwischen Paketübergabe, Scanner-Unterschrift und Baumarkt-Beratungsgespräch.
Die Komik entsteht dabei nie aus Klamauk, sondern aus Zwischentönen, Pausen, Blicken. Genau darin erinnert der Film an Loriot: Humor auf leisen Sohlen, tief verwurzelt in menschlichen Unsicherheiten und Alltagsverwicklungen. Regisseur Lars Jessen schafft es, diese feinen Nuancen sichtbar zu machen – ein verkappter Weihnachtsfilm ohne Zuckerguss, aber mit viel Herz.
Einsamkeit, Zweisamkeit – und die Kunst, einander auszuhalten
„Prange – Man ist ja Nachbar“ ist mehr als eine Liebesgeschichte. Es ist eine kleine Studie über Einsamkeit, über das Gelingen von Nähe und über die Fähigkeit, andere Menschen auszuhalten – selbst wenn sie nerven, sticheln oder zu viel reden. Die Hausgemeinschaft steht dabei für eine ganze Gesellschaft: oft gestresst, manchmal gespalten, aber doch verbunden durch Alltägliches wie Pakete, Festtage und Missverständnisse.
Besonders berührend: die stillen Szenen, in denen Prange und Dörte parallel einsam in ihren Küchen sitzen – und der Zuschauer ahnt, wie sehr sie sich ähneln. Oder der Moment, in dem Prange für Dörte zum ersten Mal im Regen die Straße betritt – in Hausschuhen. Keine großen Gesten, kein Kitsch. Nur echte Sympathie.

Ein Film der Details – und ein Trio zum Niederknien
Dank der präzisen Figurenführung von Andreas Altenburg (Romanvorlage und Drehbuch) gelingt eine Tragikomödie, die auf Blicken, Sätzen, Betonungen und feiner Beobachtung basiert. Mädel, Schubert und Dittrich formen gemeinsam ein wunderbar schräges Dreieck aus Sehnsucht, Rivalität und Tiefgang.Ein Film, der ohne große Handlung auskommt, weil die Charaktere selbst die Geschichte tragen.
Fazit: Ein Weihnachtsfilm für Menschen, die keine Weihnachtsfilme mögen
„Prange – Man ist ja Nachbar“ ist laut, leise, schräg, menschlich – und herrlich norddeutsch. Eine Komödien-Rarität, die zeigt, dass Nähe auch in den kleinsten Dingen steckt. Und dass man manchmal nur genau hinhören muss.
Zu sehen seit dem 06. Dezember 2025 in der ARD Mediathek.
Der passende Podcast „Barmbek Bump – Prange vs. Rohde“ läuft in der ARD Audiothek.



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