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Man möchte am liebsten den ganzen Tag schreien

Aktualisiert: 28. Juni


Wie sagte schon mein Vater, Gott hab' ihn selig: "Wenn Dummheit weh täte, müßte die Welt den ganzen Tag schreien". Wenn die Menschheit - von Hochkultur möchte ich gar nicht mehr sprechen - sich ausrotten möchte, soll sie nur so weiter machen. Die einen finden neuerdings Spaß am en voguen "Abschreckungswettrüsten", die anderen am Körpertuning jeglicher Art. Das ganze begleitet vom permanenten Messen mit zweierlei Maß und der inzwischen bewußten Polarisierung der Gesellschaft, wo wir doch angeblich alle so gleich sind.


Endzeitstimmung auf allen Gebieten?

Während der Normalbürger täglich Einschränkungen im Gesundheitssystem und durch sonstige Maßregelungen zu spüren bekommt (wie bspw. Sparmaßnahmen bei Sport und Kultur, Rauchverboten, Bade- und Eincremeverboten an Stränden angeblich der Umwelt zu liebe und zum eigenen Schutz?), macht der "Individualist Mensch" das, was er bei "Normierungsflut" immer macht: er sucht nach "Freiheitsventilen" und ganz Gewitzte schlagen auch noch Kapital daraus.


Medizin als Regulator von Moral und Milliarden?

Unter dem Motto: Doping ausdrücklich erwünscht - sorgten erst kürzlich die "Enhanced Games" für einiges Aufsehen in der Sportwelt. Mit dabei auch erfolgreiche deutsche Sportler.

Da folgt man für viel Geld seit Jahren Sportlern rund um den Erdball zu Trainingslagern und zu Wettkämpfen um Urinproben zu nehmen, sperrt in Folge Minderjährige aus, weil Trainer/ Funktionäre ihnen ein "Vitaminpülverchen" verabreicht haben; und manch eine/r wurde schon als Doper gebrandmarkt, nur weil er/ sie ein Erkältungsmittel einnahm, in dem eine Substanz davon auf der NADA/ WADA-Dopingliste stand - und jetzt das?


Brot und Spiele, Olympische Spiele, Doping Spiele?

Gedopte Athleten sollten neue Weltrekorde aufstellen, so die Marketingidee skrupelloser Investoren. Geht es dabei um die Grenzen des Körpers oder eher der Ethik? Oder nur um den Kommerz? Sportreporter und Wissenschaftler schlagen seit Jahren Alarm und lassen "uns" mit Dokumentation hinter die Kulissen eines Systems blicken, das nicht nur den Sport, sondern die Gesellschaft für immer verändern wird bzw. will.

Da ist dann schnell und leicht dahin vom Ausschöpfen des menschlichen Potenzials die Rede oder simpler Selbstoptimierung für den ultimativen Erfolg im Beruf oder auf dem Sportplatz, wenn man nur ganz nebenbei ein paar "Enhancements" sprich "Nahrungsergänzungsmittel" nimmt. Bitterböse kommt mir da spontan der alte Werbeslogan "Ein ganzer Hund dank Chappi" in den Sinn.


Die vordergründigen Glitzerfassaden von Las Vegas waren nicht von ungefähr die Bühne der besagten Dopingspiele. Mittendrin u.a. der deutsche Schwimmer Marius Kusch, der im Interview offen zugab, von den hohen Prämien angelockt worden zu sein. Eine Million US-Dollar versprachen die Organisatoren jedem, der einen Weltrekord brechen würde. Dafür waren auch Substanzen wie EPO, Testosteron oder das Dopen mit Wachstumshormon erlaubt. Nebenwirkungen wurden dabei bewußt herunter gespielt mit Sätzen wie: "Klar, das Risiko ist nicht bei Null" oder "ich möchte später mal Familie haben, deshalb habe ich vorher Spermien einfrieren lassen“ usw.


Ist das die neue Eigenverantwortlichkeit?

Wie sich Doping für Kusch anfühlte, wie die Substanzen im Körper wirken, welche Schäden davongetragen werden können, zeigt u.a. eine 45-minütige ARD/ NDR- Dokumentation von Ben Wozny und Tim Tonder (jederzeit abrufbar in der Mediathek).

Nicht nur Lars Mortsiefer, Vorstandsvorsitzender der Nationalen Anti Doping Agentur Deutschland (NADA) wertet das als "moderne Menschenversuche"; ich bezeichne das u.a. als manipulative Dominanz von Menschen an Menschen - freiwillige Versuchskaninchen.

Enhanced-Games-Mitgründer und Biotech-Investor-Milliardär Christian Angermayer (zusammen mit dem Australier Aron D’Souza) kommentiert den "Aufschrei" in der Sportwelt indes unverhohlen als beste Marketingaktion, die man sich vorstellen kann. "... ein Dankeschön an das IOC und all diese Idioten, die diese tollen Zitate von "Menschenversuchen" in die Welt gesetzt haben", das sparte uns Millionen von Dollar an Werbekosten“.


Tabubrüche, kalkulierte Provokationen, das Austesten von Grenzen scheinen derzeit ja IN. Warum dann also nicht den Sport "enhancen“ und nach uns die Sintflut? Begriffe ändern sich schnell und wahrscheinlich auch der Begriff Sport, denn all diese "Mittelchen" zielen nicht einzig auf den Profi- und Leistungssport ab, der "Amateur,, , also die "Masse Mensch" ist letztlich die gewinnbringende Zielgruppe auf allen Ebenen, nicht nur im Sport, wie auch immer der dann aussehen oder strukturiert sein soll.


Nur, daß man mich richtig versteht

Ich denke äußerst liberal und jeder Mensch soll (mit seinem Körper) machen können, was er möchte - so lange andere davon nicht betroffen sind. Die unweigerlich solchen "Mitteleinnahmen" folgenden Spätschäden (ein Körper ist wie ein Autoreifen - er vergißt nie), tangieren jedoch letztlich uns alle. Nämlich dann, wenn sich mit zunehmenden Alter die Spätfolgen solcher "Pimpup-Produkte" zeigen - was sie in jedem Fall irgendwann unweigerlich tun. Und da dürfte die Schädigung der Sexualfunktion noch das geringste Übel (u.a. ein erhöhtes Schlaganfallrisiko und Thrombosen) sein, aber an die männliche Potenz wird gerade in dieser Zielgruppe gerne zuerst gedacht. Interessant, oder?


Dann nämlich werden die Überflieger und Batmans wieder zu Normalbürgern und belasten dadurch sowohl das Gesundheitssystem und bei Langzeitfolgen wegen Arbeitsunfähigkeit auch die Sozialsysteme. Denn kaum einer davon dürfte in seiner "Rekordzeit" so viel verdient haben, daß er sich im Zweifelsfall jegliche Rehabilitation und eine lebenslange Privatrente zugunsten einer Familie aus eigener Tasche leisten kann.

Interessanterweise fand bei den "Enhanced Spielen" eine Rekordflut aber gar nicht statt - noch wehrt sich die Natur also?


Warum macht der Mensch also sowas?

Weil man es kann! Und warum machen viele dabei gerne mit? Weil sie gerne schnell reich und berühmt werden wollen - wo wir sind, ist oben.

Moral quo vadis? Wenn alle zunehmend immer weniger zu verlieren haben, wird die Welt vom üblichen Haifischbecken schnell zum anarchischen Schlachtfeld - Endzeitstimmung eben, Tanz auf dem Vulkan wie in den 20-iger Jahren.



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