Bittere Niederlage im Kellerkrimi: Werder rutscht ab – Erstklassige Fans, schwache Teams
- Sascha Brandt
- vor 23 Minuten
- 3 Min. Lesezeit
Trainer-Effekt verpufft: Werder rutscht ab und die Fans wenden sich ab
Am 23. Spieltag der Bundesliga-Saison 2025/26 hat der FC St. Pauli das enorm wichtige Kellerduell gegen den SV Werder Bremen mit 2:1 (0:0) für sich entschieden. Vor 29.546 Zuschauern im ausverkauften Millerntor-Stadion zogen die Hamburger in der Tabelle an den Gästen vorbei auf den Relegationsrang, während Bremen auf Platz 17 abstürzt. Das Spiel offenbarte schonungslos: Der viel zitierte Trainer-Effekt unter Daniel Thioune ist nach der nun dritten Niederlage im dritten Spiel komplett verpufft. Zwangsläufig drängt sich an der Weser nun die Frage auf, warum die Verantwortlichen den Trainerwechsel nicht erst nach dem schweren Spiel gegen Bayern München vollzogen haben, um dem neuen Coach einen weniger vorbelasteten Start zu ermöglichen.
Fehlendes Kollektiv und fragwürdige Personalentscheidungen Auf den Rängen bewiesen die lautstarken Anhänger beider Lager eindrucksvoll, dass sie absolut erstklassig sind – auf dem Rasen spiegelte sich dies jedoch nicht wider. Das spielerische Niveau war eines Abstiegskrimis entsprechend überschaubar. Bei den Gästen aus Bremen zeigte sich das bekannte, bittere Bild: Die Spieler kämpften zwar aufopferungsvoll, jedoch schien jeder nur für sich zu kämpfen. Eine funktionierende, geschlossene Mannschaft war nicht im Ansatz zu erkennen.
Dabei warfen auch die Personalentscheidungen von Daniel Thioune deutliche Fragen auf. Warum der etatmäßige Kämpfer Leonardo Bittencourt und der spätere Torschütze Jovan Milošević nicht von Beginn an auf dem Platz standen, bleibt wohl das Geheimnis des Trainers. Stattdessen durften der schwache Justin Njinmah und Samuel Mbangula unverständlich lange auf dem Rasen bleiben, ohne offensive Akzente zu setzen. Nach diesem blassen Auftritt erklärt sich erst recht, warum die beiden in den vergangenen Spielen deutlich weniger Spielzeit erhalten hatten.
Torwartfehler, Joker-Tor und die späte Entscheidung Nach dem Seitenwechsel nahm die Partie an Dramatik zu. In der 55. Minute brachte Hauke Wahl den FC St. Pauli per Kopf mit 1:0 in Führung, nachdem Werders U21-Torwart Mio Backhaus unglücklich gepatzt hatte. Werder zeigte durch eine Einzelaktion eine Reaktion: Nur eine Minute nach seiner Einwechslung traf der Joker Milošević (62. Minute) zum 1:1. Die Freude währte jedoch nicht lange. In der 70. Minute schoss St. Paulis "Man of the Match" Joel Chima Fujita das 2:1. Werders finale Bemühungen als Einzelkämpfer blieben erfolglos. Thioune nahm seinen jungen Keeper Backhaus nach dem Spiel öffentlich in Schutz und machte ihm "überhaupt keinen Vorwurf" für das Gegentor.
Stille Konfrontation: Ein Riss im Bremer Fundament Das eigentlich Bemerkenswerte ereignete sich jedoch nach dem Schlusspfiff. Das Band zwischen Fans und Mannschaft gilt in Bremen eigentlich als unerschütterlich – selbst in den tiefsten Krisen. Doch am Sonntag schickten die mitgereisten Werder-Fans die Mannschaft kurzerhand aus der Kurve weg. Ein höchst untypischer Vorgang für die sonst bedingungslos treue Bremer Anhängerschaft.
Dennoch war es ein beeindruckend starkes und erwachsenes Zeichen der Bremer
Kurve: Es wurde nicht massiv gebuht, es flogen keine Gegenstände auf das Spielfeld. Die Fans gingen einer hässlichen Eskalation oder lauten Konfrontation ganz bewusst aus dem Weg und straften das Team stattdessen mit einer unmissverständlichen, kühlen Distanz. Eine leise Geste, die in ihrer Deutlichkeit an der Weser weitaus lauter nachhallen dürfte als jedes gellende Pfeifkonzert. Die Braun-Weißen feierten währenddessen das viel zitierte Sechs-Punkte-Spiel und einen positiven Aufwärtstrend.
Die Fans:
Trotz des eher unterdurchschnittlichen Spielniveaus beider Mannschaften, war das Spiel ein Paradebeispiel für den Deutschen Fußball und seine Fans. Beide Fanlager unterstützten ihre Vereine durchweg mit lautstarken Gesängen und aufopferungsvollen Choreos. Die Freundschaft der Nordclubs trug sein übriges dazu bei, dass die Stimmung im ganzen Stadion friedlich und positiv blieb. Es bleibt für die Erste Bundesliga zu hoffen, dass beide Vereine der Liga erhalten bleiben - diese Stimmung ist mit keinem Geld der Welt nachzustellen.



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