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Kraftklub: Warum „Sterben in Karl-Marx-Stadt“ mehr ist als ein Album – es ist ein Statement



Kraftklub sind längst mehr als eine Band aus Chemnitz. Sie sind Popkultur, Protest, Zeitgeist und Ost-Identität – alles in einem lauten, ironischen, politisch klaren Gesamtpaket. Und pünktlich zum Release ihres neuen Albums am 28.11.2025 „Sterben in Karl-Marx-Stadt“ zeigt das Quintett erneut, warum sie seit über einem Jahrzehnt zu den prägenden Stimmen der deutschen Musiklandschaft gehören.


Der Osten, aber neu

Kraftklub haben etwas geschafft, was davor wenigen gelang: Sie machten Chemnitz zu einer coole Stadt. Keine Ostalgie, keine Schönfärberei – eher ein liebevolles, ehrliches Bekenntnis mit dem Finger in der Wunde. Schon „Mit K“ formte ein neues Selbstbewusstsein vieler junger Ostdeutscher. Und die Zeile „Ich komm’ aus Karl-Marx-Stadt, bin ein Verlierer, Baby“ wurde zum generationsübergreifenden Mitsingmoment – auch im Westen.


Rap trifft Indie trifft Punk

Bevor „Genre-Mix“ ein Marketingwort wurde, lebten Kraftklub ihn. Indie-Gitarren, Rap-Parts, Punk-Attitüde – das war 2012 neu, roh und befreiend. Bis heute ist der Sound eigenständig, tanzbar, dreckig und prägnant.


Politisch klar

Kraftklub kritisieren, ohne zu predigen. Songs wie „Schüsse in die Luft“, „Wittenberg ist nicht Paris“ oder „So rechts“ zeigen Haltung, ohne den Witz zu verlieren. Spätestens seit dem legendären „Wir sind mehr“-Konzert 2018 sind sie unüberhörbare Stimmen gegen Rechts – und setzten damit ein kulturelles und politisches Zeichen, das bis heute nachhallt. Kraftklub positioniert sich von Anfang bis Ende und steht zu seinem Wort.


Zeitgeist mit Humor – und Ironie gegen sich selbst

Die Band trägt Themen eher mit Augenzwinkern als mit der Moralkeule. Sie parodieren sich selbst („Unsere Fans ham sich verändert“), drehen Hypes ins Absurde und behalten dabei den Ernst, ohne ernst zu wirken. Humor als Waffe wird selten so konsequent und intelligent wie hier angewendet.


Das neue Album: Der Tod als Partycrasher

„Sterben in Karl-Marx-Stadt“ ist das musikalisch vielseitigste Album der Band.

Und vielleicht ihr persönlichstes.

Die Inspiration? Mexiko. Genauer: der Día de los Muertos – ein Fest, das Tod und Vergänglichkeit feiert, statt sie zu verdrängen. Diese Perspektive hat Sänger Felix Kummer verändert:

„Wir sind in Deutschland verärmt, was Tod betrifft. Wir reden kaum darüber.“

Auf dem Album aber reden sie – und zwar laut.

Mit Humor. Mit popkulturellen Bildern.

Mit einem Augenzwinkern Richtung Existenzangst.


Ob bei „All die schönen Worte“, einem fast makabren Humor-Feuerwerk über verschiedene Todesarten, oder im traurigen, aber warmen „Schief in jedem Chor“, einer Hymne auf die Außenseiter. Kraftklub zeigen: Humor und Sterblichkeit schließen sich nicht aus – sie brauchen einander.


Mit Features Richtung Stadion

Nina Chuba. Deichkind. Faber.Die Gästeliste zeigt, wo Kraftklub längst angekommen sind: auf dem Sprung von Festival-Legenden zu Stadien-Füllern. Große Touren sind schon vor Start ausverkauft – nicht ohne Grund.


Roadtrip, Kult und Chaos

Wer Kraftklub live erlebt, weiß: Das ist kein Konzert, das ist ein Ritus. Der kollektive Sprung in Leipzig, der ein Erdbeben auslöste. Mini-Konzerte auf dem Kiez, 15 Stück in einer Nacht. Geheim-Gigs unter falschem Namen. Und der 4×4-Trip mit Tokio Hotel – eine der unerwartetsten und schönsten Collabs der jüngeren deutschen Musikgeschichte.


Style mit „K“

Collegejacken, Hosenträger, Vintage-Anzüge in Schwarz-Weiß-Rot – Kraftklub haben eine Ästhetik geschaffen, die man sofort erkennt. Auch ohne Logo.


Fehlerkultur? Ja, bitte!

Ein seltener Satz im Musikgeschäft:Kraftklub löschen Songs, wenn sie merken, dass sie Mist gebaut haben.„Dein Lied“ – weg. Kein Vertuschen, kein Erklären. Stattdessen Selbstkritik im Song „Der Zeit bist du egal“. Vorbildlich ehrlich.


Fazit: Kraftklub bleiben relevant – weil sie mutig bleiben

„Sterben in Karl-Marx-Stadt“ ist mehr als ein Album über das Sterben. Es ist eine Feier des Lebens. Eine Erinnerung daran, Fehler einzugestehen. Eine Liebeserklärung an Chemnitz. Ein politischer Kommentar.

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