Carpe diem – Auszeit auf zwei Brettern mitten in Hamburg
- Petra Fritz

- vor 4 Tagen
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Auf in den Schnee - juchee! Durch die Stadt und Parks auf Ski wie in Oslo oder Stockholm und als Extra entlang des Wassers. Mit Verlaub, Schlitteln ist eine Sache, aber der trockene Schnee der letzten Tage taugt - mit etwas Geschick - auch ohne Präparierung von Loipen hervorragend für Skilanglauf.

Tag 1 - Ski und Rodel im Jenisch Park
Noch kann man den blauen Himmel zwischen den Bäumen und Dunstschwaden nur ahnen, aber das Stimmungsbild ist zauberhaft. Egal, ob man an den kleinen Hütten oder den Museumsgebäuden vorbeikommt. Hier ist gegen 11.00 Uhr schon ordentlich was los, vor allem an den Hügeln, wo es schwungvoll per Schlitten oder auf dem Hosenboden bergab geht. Während einige Hunde sich mit Vergnügen im Pulverschnee balgen und übereinander den Abhang runterkugeln, blicken andere Artgenossen noch ungläubig und tasten sich mit Vorsicht im Schutz von Frauchen und Herrchen die Wege entlang. Und was ist das denn? Tschag, tschag, das Einstechgeräusch der Skistöcke und die Geschwindigkeit der gleitenden Zweibeiner ist ihnen erst recht suspekt. Und da kommen gar noch zwei weitere dieser "Raser" um die Ecke gebogen.
Abgesehen von zwei griesgrämigen Damen, die etwas von gefährlich und erschrocken "huch, na sowas" krächzen, blicke ich nur in strahlende Gesichter von Jung und Alt, wenn ich passiere. Nach vielen Daumen hoch und gezückten Handies für einen Schnappschuß beschließe ich für den nächsten Tag nach zwei Stunden Rundkurs ein weiteres Experiment zu wagen.

Tag 2 - Elbstrand und Palmaille als Langlaufloipen
Die halbe Nacht haben die Schneeflocken munter um die Wette getanzt. Ich brauche also nur mit meinem Equipment aus dem Haus zu treten und schon skate ich flucks den Mittelstreifen der Palmaille entlang. Man muß ein wenig auf herabgefallende Ästchen achten, da dies die schmalen, quasi kantenlosen Langlaufski plötzlich stoppen und man sprichwörtlich einen Purzelbaum schlagen kann. Aber es läuft ziemlich perfekt, da der Schnee alles unter sich begraben hat. Herrlich, drei Mal rauf und runter. Ein Autofahrer winkt mir zu und ein Radfahrer staunt, daß ich schneller als er unterwegs bin.
Aber es soll noch besser kommen: warum nicht gleich am Elbstrand dahingleiten. Von schneebedeckten Bergen auf Seen und Meere herunter schauen kann man an verschiedenen Orten, z.B. vom Holmenkollen in Oslo, dem Lago Maggiore oder Cypress Mountain bei Vancouver. Aber einen Fluß bzw. einen sandigen Stadtstrand entlang - das gibt es m.W. wohl nirgendwo. Auch wenn die Sonne erst später rauskommt und es hier keine Neigung, also kein auf und ab gibt, die Szenerie ist einfach magisch und die Passanten sind hier einer Skiläuferin gegenüber noch aufgeschlossener, d.h. zwei klatschen in die Hände und fragen nach gemeinsamen Fotos. Die kleinen Strandbistros unterhalb der Himmelsleiter, wo man im Sommer Schatten sucht, erreiche ich so vom Museumshafen aus nach gerade mal knapp 1,5 Minuten - und das ganz lässig ohne Sprinteinsatz. Dabei habe ich die Wahl zwischen dem von Fußgängern schon platt getretenen Spazierweg oder abseits davon im trockenen Pulverschnee zu skaten (ich ziehe die Skatingtechnik mit den kürzeren Ski dem klassischen Stil vor). Herrrlichh !!! Auch zum Lernen wäre dies der perfekte Moment. Als Kind war mir Skifahren immer lieber als Schlittenrutschen - da mußte mein Vater oft ganz schön rennen bzw. mich im Kindergeschirr ziehen, weil es mir nie schnell genug gehen konnte.
Und nach einigen Hin und Hers kehre ich in Övelgönne ein. Erst im Strandkorb, dann wie auf einer Skihütte in den Alpen bei Kaminfeuer und gemütlicher Bestuhlung mit Hirtenfellen zünftig zum Glühwein ein. Herz, was willst Du mehr. Naja, man könnte noch einen dampfenden Hotpot aufstellen. Und wer Hunde hat, könnte Dogjöring betreiben, sich also von Hunden auf Ski ziehen lassen oder sich mittels Kite fortbewegen. Mit einem Pferd habe ich dies auf Alpinski schon einmal gemacht. Bei Galopp fliegen einem die losgetretenen Schneebrocken nur so um die Ohren. Und auch das Snowkiten hat so seine Tücken was das Handling des Schirmes angeht, vor allem wenn viel oder wenig Wind herrscht.
Entdecke die Möglichkeiten

Man muß es nur tun, wenn sich die Chance bietet! Und es ist ja noch nicht vorbei. Wenn die Kälte anhält, friert die Binnenalster hoffentlich noch zu und dann heißt es - bei entsprechender Eisdicke (!) - Schlittschuhe raus. Trägt die Eisschicht nicht sicher, dann wenigstens das glitzernde Eis von einem Seerestaurant aus beobachten und vom Kitesurfen auf Schlittschuhen oder Tourenskating mit Klappschlittschuhen träumen.



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