236,4 Millionen Dollar für Gustav Klimts „Bildnis Elisabeth Lederer“
- Sascha Brandt
- 22. Nov. 2025
- 2 Min. Lesezeit
Zwanzig Minuten können verdammt lange sein – jedenfalls dann, wenn ein Saal voller Menschen um ein einziges Bild ringt. In New York war genau das der Fall, als Gustav Klimts „Bildnis Elisabeth Lederer“ den Auktionsraum zum Stillstand brachte. Am Ende fiel der Hammer bei 236,4 Millionen Dollar. Ein Moment, der selbst für ein Haus wie Sotheby’s nicht alltäglich ist: neuer Rekord für Klimt, zweitteuerstes Werk der Auktionsgeschichte, und ein Saal, der kurz die Luft anhielt.

Das Porträt, entstanden zwischen 1914 und 1916, zeigt die junge Elisabeth Lederer – Tochter eines Industriellenpaars, das Klimt lange begleitet und gefördert hat. Wer am Ende das Rennen gemacht hat, bleibt geheim. Nur so viel: Die Bieter*innen kamen zahlreich und waren bereit, weit zu gehen.
Damit schiebt sich Klimt direkt hinter Leonardo da Vincis „Salvator Mundi“, der seit 2017 unangefochten auf Platz eins steht. Der bisherige Preisrekord für ein Klimt-Werk? Geradezu bescheiden im Vergleich: 108,8 Millionen Dollar im vergangenen Jahr. Das jetzt versteigerte Bild stammt aus dem Nachlass von Leonard Lauder, dem im Sommer verstorbenen Sammler, dessen Kunstbestand in diesen Tagen über 527 Millionen Dollar eingespielt hat.
Doch Klimt war nicht der einzige, der den Saal elektrisierte. Ein weiteres Werk sorgte für kollektives Stirnrunzeln – und Schmunzeln: eine voll funktionsfähige Toilette aus massivem 18-karätigem Gold. Maurizio Cattelan, Meister der treffenden Absurdität, ließ sein Stück „America“ für 12,1 Millionen Dollar über den Tisch gehen. Cattelan bleibt damit seinem Ruf treu: Kunst, die gleichzeitig provoziert, irritiert und zum Kopfschütteln verführt.
Kurzer Rückblick: Eine der beiden existierenden Versionen verschwand 2019 spurlos aus dem britischen Blenheim Palace. Die andere gehört seit 2017 einem privaten Sammler, mutmaßlich Steve Cohen. Jetzt soll – so heißt es – eine „berühmte amerikanische Marke“ zugeschlagen haben. Namen? Fehlanzeige. Aber das Mysterium gehört in der Kunstwelt ohnehin oft zum Entertainmentpaket.
Gehämmert wurde all das im neuen Zuhause von Sotheby’s – dem ehemaligen Whitney Museum, einem brutalistischen Breuer-Bau, der schon in seiner Architektur klarstellt: Hier geht es nicht um Zurückhaltung. Die New Yorker Herbstauktionen laufen noch die ganze Woche. Und es wäre keine Überraschung, wenn dieser Stadt noch ein paar weitere Rekorde aus dem Auktionshaus zurechtgerückt würden.



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