Internationaler Tag der Menschen mit Behinderung: Zwischen Sichtbarkeit und echter Teilhabe
- Sascha Brandt
- 3. Dez. 2025
- 2 Min. Lesezeit
Der 3. Dezember ist einer dieser Tage, an denen wir uns fragen müssen, wie inklusiv unsere Gesellschaft wirklich ist – jenseits von Kampagnen, wohlklingenden Versprechen und barrierefreien Aufklebern auf Webseiten. Der Internationale Tag der Menschen mit Behinderung erinnert daran, dass Inklusion kein Trend und keine PR-Floskel ist, sondern ein Fundament, auf dem moderne Gesellschaften überhaupt erst funktionieren können.

Über 10 Millionen Menschen in Deutschland leben mit einer Behinderung. Die meisten davon sieht man nicht. Es sind chronische Erkrankungen, psychische Einschränkungen, neurodiverse Ausprägungen – Realitäten, die selten auf Plakaten landen und im Alltag oft übersehen werden. Und genau darin liegt das Problem: Sichtbarkeit endet häufig dort, wo die Geschichten komplexer werden.
Barrieren sind nicht nur baulich. Sie beginnen bei Sprache, Haltung und Erwartungen. Bei Bewerbungsgesprächen, in Schulen, in sozialen Räumen. Die Frage „Was brauchst du?“ wird immer noch seltener gestellt als „Geht das überhaupt?“ Dabei ist Teilhabe kein Gefallen und kein Bonus – sie ist ein Recht.
Dieser Tag erinnert uns daran, wie schnell wir Menschen auf ihre Einschränkungen reduzieren, statt ihre Perspektiven ernst zu nehmen. Und daran, wie oft erst Betroffene selbst die Arbeit übernehmen müssen, die eigentlich die Gesellschaft leisten sollte: Aufklären, sichtbar machen, Missstände benennen.
Vielleicht wäre es ein guter Anfang, wenn wir uns nicht nur auf Barrierefreiheit konzentrieren, sondern auf Barrierearmut. Auf Strukturen, die flexibel genug sind, um unterschiedliche Lebensrealitäten zu tragen. Auf Fragen, die offen stellen statt voraussetzen. Und auf eine Haltung, die Menschen nicht zuerst nach Einschränkungen sortiert, sondern nach Möglichkeiten.

Inklusion entsteht nicht durch einen Tag im Kalender, sondern durch viele kleine Entscheidungen an allen anderen Tagen. Entscheidungen, die zeigen, wie ernst wir es meinen, wenn wir von Gleichberechtigung sprechen. Der 3. Dezember ist nur ein Reminder – aber einer, der uns daran erinnert, dass Veränderung immer bei uns selbst beginnt.
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