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Das Erotic Art Museum in Hamburg steht nach der nachträglichen Verrechnung von Corona-Hilfen vor dem Aus. Warum dieser Ort für die Reeperbahn – und für uns – unverzichtbar ist.



Zwischen Neonlicht, Reeperbahn-Geschichte und radikaler Offenheit steht ein Ort, den es so kein zweites Mal mehr gibt: das Erotic Art Museum in Hamburg. Seit 2018 betreibt Ekkehart Opitz hier – privat finanziert und ohne öffentliche Grundförderung – einen Raum für Kunst, Diskurs und Grenzüberschreitung. Ausstellungen, Lesungen, Performances, kleine Konzerte und inhaltliche Seminare treffen hier aufeinander. Es ist kein Museum im verstaubten Sinn, sondern ein lebendiger Resonanzraum.


Für Kunst&Kante ist dieser Ort weit mehr als eine Institution. Er ist Haltung. Er ist ein Beweis dafür, dass Kunst auch dort existieren darf, wo sie irritiert, provoziert und Fragen stellt. Gerade im Kontext der Reeperbahn, die 2026 ihr 400-jähriges Jubiläum feiert, ist das Museum ein kultureller Fixpunkt – einer, der Geschichte nicht folkloristisch verklärt, sondern zeitgenössisch weiterdenkt.


Nun steht genau dieser Ort vor einer existenziellen Herausforderung.

Wie Ekkehart Opitz öffentlich gemacht hat, wurde eine Förderung aus „Neustart Kultur“ nachträglich mit der Corona-Überbrückungshilfe verrechnet. Dabei handelte es sich bei „Neustart Kultur“ um zweckgebundene Investitionen, die während der Pandemie notwendig waren, um den Betrieb überhaupt aufrechterhalten zu können. Sicherheitsabstände mussten gewährleistet werden, bauliche Veränderungen waren unumgänglich – sogar ein historischer Tresen musste weichen. Desinfektionsspender, Bodenmarkierungen und weitere Maßnahmen wurden umgesetzt, weil sie verpflichtend waren.


Die Überbrückungshilfe hingegen diente dazu, wirtschaftliche Einbrüche abzufedern. Dass diese beiden unterschiedlichen Förderungen Jahre später miteinander verrechnet werden, bringt das Museum nun in eine finanzielle Schieflage, die die Existenz bedroht. Die geforderte Summe übersteigt die Möglichkeiten des privat getragenen Hauses bei weitem.


Ökonomisch betrachtet wäre eine sofortige Schließung die logische Konsequenz. Kulturell betrachtet wäre es ein Verlust, der sich nicht beziffern lässt.

Gerade in einem Jahr, in dem die Reeperbahn groß feiert und das Erotic Art Museum bereits ein umfangreiches Programm geplant hat, zeigt sich, wie fragil unabhängige Kulturorte sind. Sie leben von Leidenschaft, Risiko und persönlichem Einsatz – und oft am Rand wirtschaftlicher Vernunft.


Für Kunst&Kante ist klar: Dieses Museum ist nicht nur ein Ausstellungsraum. Es ist ein Statement. Ein Ort, der sich traut. Ein Raum, der Gespräche ermöglicht, die anderswo nicht stattfinden.


Ekkehart Opitz hat einen Spendenaufruf gestartet, um die drohende Schließung abzuwenden. Wer unabhängige Kultur in Hamburg erhalten will, wer Orte schätzt, die sich nicht glattbügeln lassen, sollte hinschauen – und, wenn möglich, unterstützen.


Denn manchmal entscheidet sich die Zukunft der Kunst nicht in großen Institutionen, sondern in genau solchen Räumen.


 
 
 

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